reingeschlüpft

Do what you love

Ein schöneres Geschenk hätten sie mir nicht machen können. Während meiner turbulenten Phase in den letzten 3 Monaten, habe ich nebenbei in einer Kita gearbeitet. Eine sehr schöne Zeit, mit lieben Menschen, denen ich von heute auf Morgen auf wiedersehen sagen musste.

Zum Abschied schenkten sie mir diese Tasse, aus der ich jeden Tag aufs Neue trinke und so viel von dem sagt, was ich zur Zeit fühle. Meine Lieblingstasse, übrigens.

dowhatyoulove

Noch nie habe ich dieses Gefühl in mir gehabt, ich gebe zu, dass ich bisher immer ein Mensch war, den man nicht unbedingt schnell motivieren konnte. „Maximale Ausbeute, bei minimalem Aufwand“ war meine Devise, mit der ich auch immer gut durch’s Leben kam. Mein Abi war kein Knüller, meine Bachelornote sehr gut, hätte aber sicher noch besser sein können, aber es reichte für alles und jeden und so war es mir auch recht.

Zum ersten Mal im Leben freue ich mich darauf, mich morgens um 7 Uhr aus dem Bett zu pellen (auch wenn ich das morgens um 7 natürlich nicht denke) und zu meinen Vorlesungen zu gehen. Zum ersten Mal freue ich mich darauf, 1 1/2 Stunden lang nicht auf mein Handy zu schauen. Zum ersten Mal sitze ich Feuer und Flamme vor englischen Texten, die ich zur Ausarbeitung meines Referats lesen muss. Und zum ersten Mal im Leben, habe ich das Gefühl „Hier bin ich richtig. So soll es sein“.

Ich kann gar nicht genau beschreiben, was da in mir vor geht, aber all das, was mir in den letzten Wochen so viel Angst bereitet hat, scheint wie verflogen zu sein. Geblieben ist der Gedanke, dass alles seinen Weg finden wird. Egal wie, egal wo, egal wann. Es wird alles so kommen, wie es muss und daran glaube ich jetzt. Auch wenn die Familie 350km und der Freund 500km entfernt sind. Auch wenn ich erst mit 28 Jahren fertig sein werde. Auch wenn ich in den nächsten Jahren nicht so tolle Autos fahren, keine so luxuriösen Urlaube machen kann und keine so tolle Wohnung haben werde, wie meine Freunde es tun.

Dafür kann ich hoffentlich irgendwann sagen, dass ich mich auf (nahezu) jeden Montag freue, ohne mich am Freitag wieder davor fürchten zu müssen. Denn was sind schon 5 weitere Jahre, im Gegensatz zum Rest meines Lebens.

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, in der ich nach meinem erfolgreich abgeschlossenen Design-Studium in zwei Agenturen gearbeitet habe (es waren zwar nur Praktika, unterscheidet sich in dem Bereich aber nicht vom Arbeiten, nur, dass man bei gleichem Zeitaufwand nahezu nichts bekommt) und mich in den Schlaf weinte. Ich weinte auf dem Weg in der S-Bahn, auf dem Weg in die Agentur. Wenn es mir den Tag richtig schlecht ging, weinte ich auch auf dem Klo. Das sollte es sein? Das sollte das Leben sein? Die nächsten 40 Jahre? Weinen, schlafen, aufstehen, weinen, hoffen, warten, endlich nach Hause, weinen, Panik, oh Gott, schlafen. Wieder von vorne.
Man wollte, dass ich blieb. Bot mir Geld, eine feste Stelle. Doch ich ging.

Ihr Lieben, ich kann euch nur raten: wenn ihr merkt, dass eure Ausbildung, euer Studium, oder euer Beruf nichts für euch ist: ertragt es nicht. Dafür ist das Leben zu kurz und die Arbeitszeit zu lang. Es gibt immer Möglichkeiten, die das scheinbar Unmögliche möglich machen und auch wenn ihr euch wie ein Versager fühlen solltet, weil ihr denkt, dass ihr nichts durchziehen könnt:

Ihr seid mutig. Mutig, etwas zu verändern, was andere und ihr selbst nicht für möglich gehalten habt. Mutig, weil ihr aus einer sicheren Situation, einer sicheren Zukunft, ausbrecht und euch traut, entgegen der allgemein gültigen Norm einen Neuanfang zu starten, der langwierig und eventuell schwierig sein wird. Mutig, weil ihr vielleicht eure Eltern enttäuscht, euch anstrengenden Fragen eurer Freunde aussetzen müsst und trotzdem wisst, dass es die richtige Entscheidung war.

Nur ihr lebt euer Leben und das nur einmal, also

do what you love &
love what you do! 

 

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Dieser Beitrag wurde am November 9, 2014 um 12:51 veröffentlicht. Er wurde unter Lifestyle abgelegt und ist mit , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

13 Gedanken zu „Do what you love

  1. Nicola sagte am :

    Ein wirklich großartiger Beitrag, richtig gut geschrieben. Ich wünsch dir alles Gute für dein Studium und auch, dass es so bleibt, dass du das gerne machst.
    Liebe Grüße

    • ich danke dir, das freut mich riesig! Dass es so bleibt hoffe ich sehr, aber gerade dem Anfang des Studiums sagt man den schwierigsten Teil nach (im Sinne von: „am Anfang sind die Fächer voll uninteressant und man fragt sich, was das damit zu tun haben soll“ – Blabla) und ich liebe es trotzdem. Deswegen… hoffen und warten! Ohja! Viele Grüße an dich :-)

  2. Wunderbar! Alles Liebe :)

  3. speckig schön <3

  4. schlichtundeinfach sagte am :

    Ich bin in einer ähnlichen Situation wie du warst (Studium passt nicht, was sonst tun/arbeiten/studieren) und hab deine Beiträge deshalb immer verfolgt und ich freue mich für dich, dass du nun etwas gefunden hast, dass dir Spaß macht und dir gut tut :) Macht Hoffnung, dass sich bei mir irgendwann auch alles zum Positiven wendet! :)

  5. Sabrina sagte am :

    Was für ein toller Post.
    Ich bin heute auch woanders gelandet, als ich nach dem Abi dachte. Im Moment ist es noch nicht so der Hit, da alles auf Umbruch gestellt ist und ich sehr neu bin.
    Aber hätte mir vor ein paar Jahren gesagt, wo ich mit einem durchschnittlichen Germanistik-Studium mal lande… ich hätte herzhaft gelacht. Und den Kopf geschüttelt.

  6. Wege entstehen dadurch, dass man sie geht! Ich denke du wirst sehr weit kommen.

  7. kleinstadtfluesterin sagte am :

    Ich arbeite auch in einer Agentur und habe Leute gesehen, denen es genauso erging wie dir: Einigen geht es noch immer so, andere haben den Absprung zum Glück mittlerweile geschafft. Wir haben in unserem Leben so viele Arbeitsjahre vor uns und die sollten uns erfüllen und nicht erschweren. Du hast genau das Richtige gemacht und darauf kannst du stolz sein.

  8. Wahre Worte. Mir ging es vor ein paar Jahren ähnlich. Weg von Familie, Freunden & Co und dennoch richtig glücklich – zumindest beruflich. Jetzt hat sich das Blatt ein wenig gedreht, aber man hat es egl immer selber in der Hand. :)

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  10. Pingback: Wenn das Leben auf der Strecke bleibt | reingeschlüpft

  11. Zuckerschnute sagte am :

    Es ist schön zu wissen, dass es nicht nur mir so geht. Ich werde meinen Master in Amsterdam abbrechen, um ein Zweitstudium in Psychologie zu beginnen. Zwar war es hart sich mit fast 23 für einen weiteren Bachelor und Master und somit 5 weiteren Jahren als arme Studentin zu entscheiden – Jedoch geht es mir nun viel besser :)
    Ich würde mich freuen, wenn ich dir ein paar Fragen stellen dürfte :) Es ist einfach toll, dass ich deine Seite gefunden habe.

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