reingeschlüpft

„Hast du heute überhaupt schon etwas gegessen?“

Zugegeben, eigentlich hatte ich vor, die Tage nach der Klausur nur herumzuliegen und von jeder erdenklichen Serie die 1. Folge zu schauen, um am Ende nach 157 1. Episoden zu entscheiden, welche Serie ich am Ende innerhalb von 3 Tagen komplett schauen werde.

Aber irgendwie erwische ich mich abends immer öfter dabei, wie ich beim Einschlafen an dieses Thema denke und es lässt mich nicht los. Es ist auch nicht so, dass mich das Thema persönlich heute noch beschäftigt oder belastet, denn jetzt kann ich offen und ehrlich sagen, dass ich sehr froh bin, dass es so ist (ja Mama, du hattest Recht).

Gerade in unserem „Metier“ (Mode, Social Media) ist es üblich, dass der Körper das Medium ist, das repräsentiert. Bei mir gibt es z.B. kein Gesicht, dafür gibt es Figur zu sehen. Gut, bei mir nicht sonderlich viel, weil ich auf sackige Sachen stehe, die eigentlich alles verdecken, aber dennoch sieht man, dass ich schlank bin.

Das war auch früher so, das war schon immer so. Gut, nein, nicht immer, ich war nämlich bis zum Alter von einem Jahr immer das dickste Baby im Krabbelkreis. Ja, wirklich. Doch ab dem Zeitpunkt ab dem ich laufen konnte, hat sich das drastisch geändert. Tatsächlich war ich immer sehr sehr dünn und zwar so dünn, dass ich sehr darunter gelitten habe. Nicht, weil ich selbst es doof fand (mir war es tatsächlich sehr egal, außer, dass ich nie Hosen gefunden habe), sondern weil man es mir schlecht gemacht hat. Weil man mir immer das Gefühl gegeben hat, ich sei „nicht normal“, ich „esse nicht normal“, ich solle doch gefälligst mal zunehmen.

So war eines der Schlüsselerlebnisse in meinem Leben, dass ich mit ca. 15 Jahren nach vorne zum Lehrer musste, um meine Hausaufgabe zu zeigen. Während ich nach vorne ging sah ich schon, wie er an mir herunter sah. Dann stand ich vor ihm und er sah mich weiter an, piekste mir dann plötzlich mit seinem Finger vor der ganzen Klasse in den Bauch und fragte laut „Hast du heute überhaupt schon etwas gegessen?“

Man stelle sich vor, dass ich wirklich sehr schüchtern und überhaupt nicht schlagfertig war, aber diese Bemerkung und das Verhalten trieben mir die Wut so sehr in den Bauch, dass ich ihn laut (mit zitternder Stimme aber, klar) fragte, ob er übergewichtige Menschen auch öffentlich fragen würde, wie viele Burger sie bereits gegessen hätten.

Tatsächlich war das ein sonst sehr schlagfertiger und sich selbst für sehr witzig haltender Typ, der daraufhin irgendetwas in sich hinein nuschelte und Ruhe gab. Gute Noten bekam ich bei ihm übrigens nicht mehr. Was aber mit Sicherheit auch einfach daran lag, dass ich mir keine große Mühe mehr bei ihm gab.

Was ich damit sagen möchte: das Schönheitsideal in den Medien vermittelt einem ohne Zweifel, dass ein schlanker Körper erstrebenswert ist. Natürlich ist dies auch gefährlich, zumindest in dem Rahmen, in dem es viele anschließend erreichen möchten. Extreme sind nie gesund, sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung.

Trotzdem hat sich die letzten Jahre zunehmend die Unart entwickelt, dass es absolut okay zu sein scheint, schlanke Menschen zu kritisieren und ihnen unverfroren die eigene Meinung aufzuzwingen „Ih bist du dünn“, „Iss‘ mal was“, „Echte Männer stehen auf Frauen mit Kurven, nur Hunde spielen mit Knochen“.

Natürlich findet man solche Kommentare auch umgekehrt, doch beobachte ich derzeit eher den umgekehrten Trend, dass diejenigen, die etwas Negatives zu kräftigeren Frauen schreiben, sofort zerrissen werden und jeder schreibt „Du bist wunderschön wie du bist, steh‘ zu deinen Kurven, die anderen haben keine Ahnung!“. Bei den schlanken Frauen zieht der Mob in der Regel häufiger mit „Ja wirklich, ih!“ wird weiter darunter kommentiert.

Die sozialen Medien verleiten einen dazu, anderen seine Meinung sofort mitteilen zu können, ohne sich selbst auch mit einer Reaktion zu konfrontieren. Im realen Leben wird so etwas seltener vorkommen, aber dennoch habe ich auch bis heute mit Vorurteilen „zu kämpfen“. Natürlich gibt es nichts zu kämpfen, weil ich vollkommen zufrieden mit mir bin und weiß wie es ist und nicht ist, aber dennoch habe ich einige Verhaltensweisen aus meiner Kindheit mitgenommen, die mich zum Teil selbst nerven.

Ich esse sehr gerne und ich esse auch sehr viel. Ich wage auch zu behaupten, dass nun einige schon lachend vorm Computer sitzen und sich denken „Jaja, lass‘ die mal reden, YOU DID NOT REALLY EAT THAT!“. Mein Freund jammert rum, dass ich ihn dick machen würde, weil wir gemeinsam einfach sehr gerne essen und ich auch häufiger Hunger habe als er. Ihm reichen zwei Mahlzeiten am Tag, ich brauche drei oder vier. Eigentlich mag ich es auch nicht über die Menge die man isst zu reden, weil ich das zur Genüge kenne. Ich kenne die Problematik einer Essstörung. Nicht von mir selber, aber leider aus meinem Umkreis. Jeder erzählt wie viel Hunger er hat, wie viel er isst und vor allem auch wie oft. Jeder meint sich beweisen zu müssen, um ja nicht sofort dumme Kommentare von außen gegen den Kopf geschmettert zu bekommen.

Und mir geht es ähnlich. Selbst in meiner eigenen (ferneren…) Familie wurde mir zum Teil unterstellt, ich würde zu wenig essen. Deswegen habe ich mir mit ca. 12 Jahren angewöhnt besonders viel und besonders schnell zu essen, um mir eine solche Konfrontation zu ersparen (und auch, weil man mehr isst, wenn man schnell isst und dadurch mehr Kalorien zu sich nehmen kann). In dem Alter kann man da einfach noch nicht drüber stehen, zumindest konnte ich das nicht. Und auch bis heute neige ich dazu, mich bis zur Besinnungslosigkeit zu überessen, wenn bestimmte Personen dabei sind. Letztendlich stört mich nicht die Menge, die dann in den Magen wandert, sondern dass sich diese unnötige Angewohnheit bis heute hält, nur um andere Menschen von etwas zu überzeugen, wovon ich sie überhaupt nicht überzeugen muss.

Es ist verletzend. Unglaublich verletzend. Wenn ich mich früher bei meiner Mama ausgeweint habe sagte sie immer „Warte ab, irgendwann wirst du darüber froh sein“ und ich habe ihr das nie geglaubt. Und auch wenn mir jetzt jeder sagt „sei doch froh!“, wurde mir in meiner Kindheit und Jugend trotzdem auch immer das Gefühl vermittelt, ich sei so wie ich bin nicht gut genug.

Ich habe keine Ahnung, warum sich andere Menschen das Recht heraus nehmen, über das Aussehen anderer zu urteilen, wenn sie nicht danach gefragt wurden. Egal welche Figur dieser Mensch hat. Ich hörte als Kind auch häufig, dass die Menschen schlank sein ja nicht als schlimm betrachten würden und deswegen so unverfroren die Figur kommentieren würden. Der Grund bringt einem aber nichts, wenn man trotzdem immer erfahren muss, dass das eigene Aussehen immer als ungenügend und vor allem als falsch und ja auch als krank angesehen wird.

Und selbst wenn letzteres der Fall wäre, ist es doch noch schlimmer andere dafür fertig zu machen. Was denken sich die Menschen? „Ich schreibe ihr mal, dass sie eklig aussieht und gefälligst ’n Sandwich essen soll, dann wird sie das schon machen, zunehmen und endlich auch „normal“ aussehen“?! In meinen Augen sind Kommentare zur Figur von anderen, egal von dick, dünn, muskulös, untrainiert, wieauchimmer lediglich Politur für das eigene Ego. Der Versuch, die eigene Frustration zu reduzieren, indem man andere schlecht macht.

Diese Kommentare sagen nichts über die Person aus die kritisiert wird, sondern nur über denjenigen, der den Kommentar geschrieben hat.

Wir sollten mit dem ganzen Scheiß einfach aufhören. Lernen, uns selbst zu akzeptieren, aber auch zu akzeptieren, dass andere Menschen einfach anders aussehen. Vielleicht liest sich für viele dieser Post als dämlich, „weil man sich als schlanke Person nicht beschweren darf.“

Doch dieser Post ist dazu da, um zu sensibilisieren. Dafür, dass respektlose Kommentare – egal zu welcher Figur – widerlich sind und auch denen Personen weh tun, bei denen man denken würde, dass sie doch gar keine Probleme haben dürften.

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde am März 5, 2016 um 13:27 veröffentlicht. Er wurde unter Lifestyle abgelegt und ist mit , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

6 Gedanken zu „„Hast du heute überhaupt schon etwas gegessen?“

  1. Super Beitrag! Ich habe selbst Freunde, die sehr dünn sind, aber weder zu wenig essen, noch sonst irgendetwas in der Art. Sie finden sich selbst auch nicht besonders toll, oder hässlich deswegen – es ist einfach so. Doch wenn andere Kommentare dazu abgeben, dann reagieren sie sehr sensibel darauf (was ich auch vollkommen nachvollziehen kann. Geht die anderen ja in dem Sinne nichts an). Ich persönlich habe (bezogen auf meine Figur) nur aus „Spaß“ Kommentare bekommen, wie „Was ist das denn?“, dabei wurde mir in meine Seite gepiekt, oder Ähnliches. Ich war vollkommen im gesunden Ramen von Gewicht und Körpergröße (dazu gesagt, ich war 14/15), konnte damit aber überhaupt nicht umgehen. Ich wusste, dass das nicht erst gemeint war, aber wenn man selbst unsicher mit seinem Körper ist (was in dem Alter ja meistens irgendwie so ist) und einem dann soetwas gesagt wird, verunsichert das einen noch viel mehr. Es dauerte eine Zeit, bis ich mit mir im Reinen war und diese Kommentare ignorieren konnte.
    Also wie man sieht, wird jeder, egal ob „dick“, „dünn“, oder „normal“ mit irgendwelchen Kommentaren zugeschüttet. Ich finde das total dämlich und unsinnig. Es bringt keinem wirklich was und verunsichert die andere Person. Jeder Mensch sollte mit seinem Körper zufrieden sein können und wenn jemand wirklich an einer Essstörung leidet, dann sollte diese Person unterstützt werden und die anderen Leute sollten sich da gefälligst heraushalten – so meine Meinung.

    Ich finde es gut, dass du so darüber sprichst und das sagst, was du denkst.
    Liebe Grüße :)

  2. Ich bewundere es, dass du deine Geschichte hier veröffentlicht hast. Es gab bei mir auch eine Zeit in der ich recht dünn war und ich mich aber wohl gefühlt habe. Doch sofort kamen von Freunden Kommentare wie „du bist plötzlich so dünn“ oder „das sieht nicht schön aus, du hast keine Kurven“ und ziemlich schnell habe ich dann wieder mein Normalgewicht draufgehabt. Ich glaube da spielt sehr oft Unzufriedenheit und Neid mit wenn man soetwas zu anderen sagt. Man sollte aber wirklich nicht drauf hören und so sein wie man sich wohlfühlt (egal ob dick/dünn) und jetzt bin ich dadurch viel selbstbewusster geworden und nehme mich so wie ich bin.
    Danke für deinen tollen Post. ☺️ LG

  3. Laura sagte am :

    Toller Beitrag!

    Mir geht es oft (naja eigentlich immer) genauso, wie du es beschrieben hast. Bin seit meiner frühen Kindheit sehr dünn, und da hat wirklich nichts geholfen. Weder nachts essen noch mehrmals die Woche bei McDonalds, noch Sport. Wirklich nichts. Habe auch oft das Gefühl, dass mollige Menschen in den Himmel gelobt und dünne Menschen andauernd fertig gemacht werden. Das einzige, was dabei wohl hilft, ist einfach drüberstehen. Hat bei mir auch sehr lange gedauert, und ich bin immer noch sehr sensibel, was meine Figur anbelangt. Früher habe ich mich wirklich andauernd überfressen, bis mir schlecht wurde. Inzwischen esse ich normal, und bin gottfroh deswegen.

    Scheiß auf die Medien, so lange man sich selbst wohl in seinem Körper fühlt, ist alles in Ordnung.

  4. Lena sagte am :

    Sehr guter Beitrag, kenne diese Problematik sehr gut, mir geht es und ging es immer genauso! Inzwischen ist es mir auch egal, was andere sagen, trotzdem kommen solche Kommentare zwischendurch immer noch von Menschen aus dem engeren Umkreis und dann verletzt es einen doch noch. Es ist richtig und wichtig, die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren! Danke für deinen Beitrag!

  5. A. sagte am :

    Ich war als Kind etwas mollig, (und wurde dafür gemobbt), aber seit der Pubertät bin ich dünn bis sehr dünn, ich kenne vieles von dem, was du beschreibst. Die ständig wiederkehrenden Kommentare bzgl „nichts essen“ – zuletzt war ich nach einem Magen-Darm Virus mit Bekannten essen, kündigte vorher an, dass ich noch nicht sagen könnte, wie viel ich wohl essen kann, und bekam darauf nur ein „jaaa klaaar ausnahmsweise, wir kennen dich doch“ – ich frage mich, woher man mich da kennen will… ich hab einen sehr guten Freund, der mich wohl wirklich kennt, und ebenfalls mal meinte, mit mir essen gehen würde ihn fett machen ;). und ja klar, ich bin auch total ekelig und so, und zu dünn sei furchtbar hässlich.
    ich kann nur eins sagen: sich darüber aufzuregen ist völlig zwecklos, die Leute lassen sich da nicht sensibilisieren, weil diejenigen, die solche Kommentare loslassen, es mit voller Absicht tun. Was ich daraus gelernt habe – in erster Linie Abstand zu den Leuten halten, in Extremfällen vielleicht auch mal weniger politisch korrekt sein, und einen Kommentar zurück geben. Sich aber immer vor Augen halten, dass viele von ihnen wohl einfach ein Problem mit sich selbst haben, und froh darüber sein, dass man selbst kein Problem (mehr) hat.
    Viele von denen, die (vielleicht) kein Problem mit sich selbst haben, fühlen sich wohl auch irgendwie dazu „berufen“ , gegen Dünne zu lästern – als ob irgendeinem Essgestörten dadurch geholfen wäre… So hab ich mich zB von einer Plattform, auf der du auch aktiv bist, vor ca. einem Jahr abgemeldet, ua. weil ich zuletzt unglaublich ekelhafte Kommentare diesbezüglich abbekommen habe…

  6. Denise sagte am :

    hey süße , erstmal ich finde deine figur sehr sehr schön :) aber ich kann dir leider in einem punkt garnicht zustimmen aber vll liegt es auch daran dass ich damit nicht konfrontriert werde: ich lese nicht sehr oft sowas wie oh die ist zu dünn oder ih oder sonstiges , was ich aber festgestellt habe und was mich sowas von an den medien aufregt ist: ist ein mädel dünn und trägt 0815 klamotten bekommt man dafür schon mal an die 200 likes, stellt sich jemand der vll etwas strammere oberschenkel oder nen kleinen bauchansatz hat (foto wirklich vergleichbar) vor die linse besteht nicht mal der hauch von 80 likes oder höher – das soll jetzt nicht likegeil klingen so meine ich das nicht aber die „dickeren“ werden sofort abgestempelt und bekommen kein like obwohl das outfit genauso schön aussieht. das hat mir in letzter zeit ziemlich den spaß an instagram vermiest aber ich bin auch der meinung man sollte manchmal einfach seine meinung für sich behalten. Viel gelaber ich weiß vll konnte ich rüberbringen was ich meine ^^ lg .denise

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: