reingeschlüpft

„Tut uns Leid, der nächste freie Termin ist erst in 3 Monaten“

Ihr Lieben,

heute geht es um ein etwas anderes Thema, das aber nahezu jeden betreffen wird.

Die ersten 23 Jahre meines Lebens kam ich in den Genuss einer privaten Krankenversicherung über meine Eltern. Während ich mir die ersten 18 Jahre nie Gedanken darüber machte, was es tatsächlich bedeutete Privatpatient zu sein, kam das Bewusstsein über den Luxus dann doch erst mit meinem ersten Auszug und dem „flügge-werden“. Aber am stärksten, als ich dann von der privaten Versicherung in die Gesetzliche wechselte.

Gerade noch einen Pickel auf der Stirn bemerkt und abends um 16 Uhr beim Arzt angerufen.

Früher

– „-Guten Tag, Willkommen bei Praxis Dr. xy, was kann ich für Sie tun?“
– „Guten Tag! Hier ist JK, Ich habe so eben einen Pickel bemerkt und hätte deswegen gerne einen Termin.“
– „Tut mir Leid, bis in den nächsten 3 Mo- warten Sie kurz, wie war noch einmal ihr Name?“
– „JK“
– „Oh achso, ich sehe, Sie sind noch immer privat versichert?“
– „Ja, genau“
– „Wann passt es ihnen denn? Können Sie direkt vorbei kommen? Ansonsten hätten wir morgen noch um 10.30, um 11.30 oder auch um 16.00 Uhr einen Termin, wenn es Ihnen nachmittags besser passt.“
– „Nein danke, ich habe sofort Zeit, dann komme ich jetzt einfach vorbei.“
– „Okay, dann trage ich sie ein. Wiedersehen!“
– „Wiedersehen!“

Während ich mich freute, dass sich das so schnell erledigt hatte, schwang ich mich aufs Fahrrad und stand keine 10min später in der Praxis. Sie war rappelvoll und es gab kaum noch einen Sitzplatz im Wartezimmer.
– „Hallo!“ sagte ich an der Rezeption
–  „Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“
– „Ich hatte eben angerufen, und habe jetzt gleich einen Termin.“
– „Ah, hallo Frau K, setzen Sie sich doch noch kurz ins Wartezimmer sie sind gleich dran.“
– „Danke.“
Ich steuere auf das Wartezimmer zu. Seufzen, stöhnen, quengelnde Kinder.
– „Maaaamaaaa wie lange noch?“
– „Warte noch mein Schatz, wir sind sicher gleich dran.“
– „Ich maaaag aber nicht mehr, ich habe so Kopfweh“
– „Ich weiß doch, aber weißt du was? Ich gehe nochmal nachfragen.“ (…) 
An der Rezeption: „Entschuldigung, mein Sohn und ich warten nun schon seit 2 Stunden und es geht ihm wirklich nicht gut.“
– „Sie sehen doch, dass das Wartezimmer voll ist und jeder auf seinen Termin wartet. Wir arbeiten so schnell wir können, aber es geht nunmal der Reihe nach. Oh, warten Sie mal Frau K, Ihr Wartezimmer ist auf der anderen Seite“.

Ich hielt an und sah mich um und erblickte die freundliche Geste der Arzthelferin. Verwirrt fuhr ich herum und schlenderte auf einen kleinen Raum zu, der vollkommen leer war. Ledersofa statt Klappstuhl, Kaffeeautomat statt Leitungswasser und Zeitschriften vom nächsten Monat, statt Zeitschriften von Weihnachten. „Sie sind gleich dran“.

Kaum hatte ich mich gesetzt und mir eine Zeitschrift genommen hörte ich schon die singende Stimme „Frau K bitte!“. In nahezu der selben Bewegung stand ich wieder auf und ging zur nächsten freundlichen Geste, die mich in das Arztzimmer bat. Vorbei an all den wartenden Patienten auf ihren harten Plastikstühlen.

Keine zwei Minuten später kam der Arzt herein.
Ein feuchter Händedruck.
– „Guten Tag, was fehlt ihnen denn?“
– „Ach, ich habe wieder einen Pickel auf der Stirn bemerkt und…“
– „Ah, ja ich sehe. Am besten gehen sie noch einmal zum Röntgen und wir machen einen Ultraschall. Das kann verschiedene Ursachen haben, aber ich denke es wäre nochmal wichtig ihnen Blut abzunehmen, um ganz sicher zu sein. Wir haben auch die Möglichkeit gleich bei uns im Haus ein MRT zu machen, da schicke ich sie anschließend gleich runter.“
– „Okay.“ 

Eine halbe Stunde und diverse Untersuchungen später, sitze ich erneut im Arztzimmer und bekomme meine Ergebnisse. Zumindest die meisten.
– „Ich verschreibe Ihnen mal ein Antibiotikum und Kortison. Das sollte Ihnen helfen.“
– „Aber was ist denn nun die Ursache?“
– „Ja, das können verschiedene sein. In ihrem Blut, im MRT und im Ultraschall ist alles okay.“
– „Das ist ja interessant.“
– „Lassen Sie sich doch noch einen neuen Termin zur Kontrolle geben. Auf Wiedersehen!.“
Wieder ein Händedruck zum Abschied und keine 60min später sitze ich wieder auf meinem Bett, halte die zwei Cremes in der Hand und frage mich, warum ich nicht selbst Ärztin geworden bin. Dann hätte ich die letzte Stunde an mir auch gut 1500€ verdient, mit dem Aufwand eines feuchten Händedrucks und der Unterschrift auf einem Rezept.

 

Heute

– „-Guten Tag, Willkommen bei Praxis Dr. xy, was kann ich für Sie tun?“
– „Guten Tag! Hier ist JK, Ich leide seit längerer Zeit an Akne, auf dem Rücken, Dekolletee und im Gesicht. Zusätzlich habe ich akut juckenden Hautausschlag auf den Händen und auf den Füßen und ich war am Wochenende schon in der Notaufnahme wegen einer Gehörgangsentzündung, die mir rieten deswegen zusätzlich einen Hautarzt aufzusuchen.“
– „Waren Sie schon einmal bei uns?“
– „Nein, noch nicht.“
– „Tut mir Leid, den nächsten freien Termin haben wir in 3 Monaten im August bzw. September frei.“
Normaler Weise hätte ich jetzt eingeworfen, dass ich privat versichert bin. 
– „Ich bringe auch Wartezeit mit, das ist gar kein Problem.“
– „Nein tut mir Leid, versuchen Sie es bitte wo anders.“
– „Gut, trotzdem danke“.
– „Auf Wiedersehen!“
– „Tschüüüss.“

Die anderen Anrufe sind nicht erwähnenswert, denn sie verlaufen immer identisch.
Nur einmal habe ich es geschafft, indem ich am Telefon anfing zu weinen (kein Scherz), dass mir doch in der nächsten Woche ein Termin angeboten wurde.
– „Hallo!“ sagte ich an der Rezeption
–  „Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“
– „Ich habe jetzt um 14.30 Uhr einen Termin bei Herrn Dr. Z“
– „Ja, setzen Sie sich doch bitte noch ins Wartezimmer.“
– „Danke.“

Eine Geste hin zum Klappstuhlzimmer. Eine ungeliebte Spieleecke von 1985, Zeitschriften in denen noch Weihnachtstipps lesen kann und Menschen, die so aussehen, als würden sie nicht erst seit einer halben Stunde warten.
Nachdem ich mehrere Male fast eingeschlafen bin, nicht mehr weiß was ich lesen, in meinem Handy machen oder anstarren soll, werde ich um 16:00 Uhr endlich aufgerufen.

Ich setze mich ins Arztzimmer und starre die nächsten 20min die diversen Utensilien an, die das Zimmer so hergibt. Auswendig gelernt habe ich nun schon die verschiedenen Schichten der Haut und so langsam frage ich mich, ob man mich vergessen hat. Doch dann geht die Tür auf.

Mir wird wieder eine Hand entgegen gestreckt.
– „Guten Tag, was fehlt ihnen denn?“
– „Ach, ich leide seit längerer Zeit an Akne, auf dem Rücken, Dekolletee und im Gesicht. Zusätzlich habe ich akut juckenden Hautausschlag auf den Händen und auf den Füßen und ich war am Wochenende schon in der Notaufnahme wegen einer Gehörgangsentzündung und… „
– „Ah, ja ich sehe. Ja, ich befürchte, dass sie damit noch eine Weile zu tun haben werden. Ich schreibe ihnen mal ein äußerliches Antibiotikum auf.“
– „Okay. Davon habe ich aber schon viele genommen. Warum werde ich damit noch länger zu tun haben?“
– „Kommen Sie einfach in 2 Monaten wieder, dann schauen wir, wie es wirkt. Und das kann verschiedene Ursachen haben.“
– „Gut zu wissen.“
– „Einen schönen Tag noch!“
– „Danke, Ihnen auch.“

Nachdem ich das Zimmer verlassen habe schaue ich auf die Uhr und sehe, dass das Gespräch ganze zwei Minuten gedauert hat. Erneut halte ich ein Antibiotikum (mal kein Kortison) in den Händen, wow. Scheinen ja echte Wundermittel zu sein, diese zwei. Vor allem beheben sie meine Ursachen, von denen niemand weiß welche sie sind, ja, ganz sicher. Vier Stunden später bin ich dann auch endlich wieder Zuhause, der Plan nochmal zur Uni zu gehen wurde dann (leider) auch verworfen. Aber das ist ja nicht schlimm, am Ende zählt doch nur, dass man dafür auch kompetent beraten wurde.

 

Fernab der Verschicherungsproblematik

Mit ca. 20 Jahren bemerkte ich, dass mein linkes Knie schmerzte und das bei jedem Schritt. Wenn ich mich im Schneidersitz hinsetzte, spürte ich einen Widerstand, das Knie war wie geschwollen, dick. Komisch, dachte ich. Woher kam das denn? Ich machte weder Sport, noch bewegte ich mich übermäßig (eher untermäßig), noch hatte ich mich verletzt. Aber gut, ich war noch privat versichert und bekam auch schnell einen Termin beim Orthopäden.

Schema F, MRT, EEG, was es da so gibt.
– „Ja, also Sie haben eine Entzündung und Wasser im Knie“.
– „Oh, wie kommen die denn da rein?
– „Ja, das weiß ich jetzt auch nicht. Machen Sie viel Sport?“
– „Nein, eigentlich bewege ich mich nicht viel.“
– „Ja, dann machen sie die nächsten 2 Monate mal Sport. Sie müssen das Knie stärken.“
– „Okay, aber es tut doch bei Bewegung so weh.“
– „Da müssen sie dann durch.“

Gut, keine so kompetente Beratung dachte ich mir und suchte eine Spezialklinik auf (denn da wird man als Privatpatient mit so kleinen Kinkerlitzchen ja trotzdem gerne empfangen).
Ein feuchter Händedruck.
– „Ihr Knie ist überlastet. Schonen sie sich die nächsten 2 Monate, bewegen Sie sich nicht übermäßig.“
– „Aber ich bewege mich schon nicht mehr als vom Bett zum Kühlschrank und zurück?“
– „Ja, dann weiß ich jetzt auch nicht.“ (kein Scherz, das wurde genau so gesagt)
– „Gut, danke.“

Zum Glück sind sich da alle so einig.

Zwei Jahre später und keine Symptome besser startete ich in meiner neuen Studienstadt einen neuen Versuch.

Mal kein Händedruck. Kam mir recht.
– „Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“
 „Ich habe eine Entzündung und Wasser in meinem linken Knie.“
– „Setzen sie sich mal auf die Liege.“

– „Soll ich die Hose (enge, feste Jeans) an behalten?“
– „Ja.“
Die Beine werden an- und abgewinkelt, dann kommt schon die Diagnose.
– „Da ist kein Wasser in ihrem Knie.“ 
– „Öhm, doch, also das wurde mir…“
– „Wissen Sie, nicht jeder ist für jeden Sport und jede Tätigkeit gemacht. Sonst wären wir ja alle gleich.“
(auch kein Scherz, leider wurde es genau so gesagt).

Oh, achso. Dann weiß ich ja bescheid, dass ich mit (damals noch) 23 aufhören sollte mich zu bewegen. Oder gar nicht erst damit anfangen sollte. Denn dafür bin ich ja offensichtlich nicht gemacht. Ich bin ja schon recht alt, schlank, eigentlich sportlich (so prinzipiell, das Potenzial ist da), aber wenn ich mich jetzt schon aufgeben sollte und mir das zwei Ärzte raten, dann scheint das wohl so zu sein.

 

Kleine Anmerkung: die Gespräche sind überspitzt formuliert und natürlich nicht alle bei nur einem Facharzt vorgekommen. Die ersten beiden Gespräche stehen exemplarisch für die Erfahrungen, die ich mit dem jeweiligen Versichertenstatus bei diversen Ärzten gemacht habe. Die eine Aussage kam von Arzt A, die andere von Arzt B, ich habe sie nur in den Gesprächen vereint, damit ihr insgesamt keine 10 Geschichten lesen müsst. Nichtsdestotrotz sind sie alle so passiert, wenn auch nicht ganz so geballt. Die Geschichte mit dem Knie ist aber genau so gewesen. Da habe ich nichts überspitzt, eher noch ein paar Dinge ausgelassen.

 

Möchte man beide Texte vergleichen wird man feststellen, dass das Ergebnis nahezu das gleiche ist. Auch als Privatpatient hatte ich nie das Gefühl, dass man sich großartig mit mir und meinen Bedürfnissen auseinander gesetzt hat. Ob Hautarzt, ob Orthopäde, ob HNO, letztendlich kann ich mich kaum erinnern, dass mir mit diversen unterschiedlichen Beschwerden etwas anderes als ein Antibiotikum oder Kortison verschrieben wurde.

Ich erinnere mich auch nicht mehr daran, dass außer „mittelschwerer Akne“ überhaupt irgendwas bei mir diagnostiziert wurde. Dabei wäre ich ein Paradebeispiel dafür, was es an einem Menschen so zu finden gibt. Manchmal, ganz manchmal und ganz leise kommt mir der Gedanke, ob all diese Behandlungen nicht ab einem bestimmten Zeitpunkt ursächlich dafür waren und sind, dass immer neue Beschwerden dazu kommen. 2011 kam ich auf insgesamt 12 Antibiotika. 12.

Und wenn mir selbst mein Allgemeinarzt sagt, dass man „mit 25 nicht beim Arzt sitzen will, da will man das Leben genießen und sich keine Gedanken über Krankheiten machen“ und am Ende noch hinzu fügt: „Sie sollten sich einmal fernab der klassische Medizin erkundigen, wenn die Ärzte nicht weiter kommen… wollen…“ dann denke ich nicht, dass Ärzte mir nicht wegen ihres fehlenden Wissens nicht helfen können. Das System krankt. Und zwar gewaltig. Das ist allgemein keine neue Erkenntnis, aber eine, die ich nun neu erworben habe. Als Privatpatient wird einem immerhin das Gefühl vermittelt, man würde wenigstens versuchen einem zu helfen (MRT, EKG, EEG, Blutabnahme, Abstriche, was es da alles an Möglichkeiten gibt, um es der Krankenkasse in Rechnung stellen zu können). Die Diagnose oder die Bereitschaft einmal nach links oder rechts zu schauen ist trotzdem nicht da. Aber als gesetzlich Versicherter funktioniert bei mir gerade nicht einmal der „Kostenlose Rückrufservice“ bei der Krankenkasse selbst. Geschweige denn, dass irgendwann mal ein Termin bei einem Facharzt zustande käme. Man fühlt sich ohnmächtig und vergessen, ich trage all die Probleme seit Jahren mit mir rum, weil ich nicht einmal mehr die Hoffnung habe, dass mir ein Arztbesuch wirklich helfen könnte. Sofern es mal einen gibt.

Ärzte regen sich darüber auf, dass viele Patienten mit ihrem Internetwissen protzen und ihnen meist einen Vortrag darüber halten, was das beste für sie wäre. Um ehrlich zu sein ist das nach meinen Erfahrungen kein Wunder. Ich weiß, dass viel gefährliches Halbwissen im Internet kursiert, aber trotzdem wurde mir doch zum Teil schon so viel besser geholfen, als ein Arzt es auch nur jemals VERSUCHT hätte. Eben weil sich dem Problem schnell angenommen werden kann (und nicht erst in 3-4 Monaten), weil nicht mit Antibiotikan wie mit Smarties geschmissen werden und vor allem, weil sich andere ZEIT nehmen.

Mein Freund hat sich im Winterurlaub beim Snowboarden den Ellenbogen gebrochen und zwar so, dass er genau zwischen der Grenze lag zwischen „operieren“ und „nicht operieren“.“Möchten Sie sich operieren lassen?“, kam dann von den Ärzten. „Na, ich weiß nicht. Was wäre denn besser?„- „Ja, das ist Ihre Entscheidung.“ Oh, toll, da ist man über Nacht plötzlich mit so viel Kompetenz aufgewacht um zu entscheiden, ob es für die eigene Gesundheit und Zukunft in Hinblick auf Arthose besser wäre, sich operieren zu lassen oder nicht.

Einmal riet mir ein Arzt wegen meiner Kieferschmerzen zum Physiotherapeuten zu gehen. Toll, dachte ich, endlich mal was anderes. Jetzt wird meine Verspannung im Kiefergelenk sicher gelockert und bearbeitet. Der Therapeut war nett und sogar der Chef der Praxis, doch nachdem er mir die ersten vier Sitzungen immer nur den Rücken massierte und mich in der 10. Sitzung darum bat meine Hose auszuziehen, weil sie am Rücken störend war (da musste er ja ganz nach unten…) verlor ich auch hier den Glauben daran, dass hier ernsthaft etwas Positives passieren würde. Unter meiner Jeans trug ich noch eine Strumpfhose, es war ja schließlich Winter.
– „Mmmhh, das ist aber eine schöne Strumpfhose.“
– „Äh ja, danke.“
Mit dem Kiefer ist bis dato nie etwas passiert. Zum Glück sind die Schmerzen nach 5 Jahren von alleine verschwunden.

PS: Wurde immer noch nicht zurück gerufen.

 

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Dieser Beitrag wurde am Juni 6, 2016 um 13:24 veröffentlicht. Er wurde unter Lifestyle abgelegt und ist mit , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

8 Gedanken zu „„Tut uns Leid, der nächste freie Termin ist erst in 3 Monaten“

  1. Ich komme aus einer Ärztefamilie und kenne deine Probleme daher auch von der anderen Seite. In Deutschland sind extrem viele Leistungen, die in anderen Ländern kostenpflichtig sind, umsonst. Das heißt im Umkehrschluss, dass viele nicht so schlimme Kranke zu Ärzten gehen und Leistungen fordern, die sie nicht brauchen und damit z.B. Dir als erstens den Termin wegnehmen und zweitens auch die Aufmerksamkeit des Arztes. Damit will ich aber gar keine Entschuldigung oder Ausrede für die Ärzte haben, denn ich denke ein ganz großes Problem ist die fehlende Empathie der Ärzte. Mitgefühl und Verständnis für die Situation und evtl Schmerzen haben die nämlich nie. Vielleicht mag das am ganzen Stress liegen, aber ich bin mir sicher, dass das auch an den ganzen 1,0 Studenten liegt, die nur Arzt werden wollen, um richtig Kohle zu scheffeln (und deswegen viele Privatpatienten mit unnötigen teuren Untersuchungen ausnutzen) und einfach nur ein Gott (oder Arsch) in Weiß zu sein. Ich denke viele Prpbleme würde man lösen, wenn man Medizin-Studenten nach psychologischen Tests und Gesprächen annehmen würde, schließlich muss man Menschen schon lieben, wenn man Arzt sein will. Denn ein richtig guter Arzt behandelt auch einen Kassen und einen Privatpatienten gleich, es sind ja beides nur Menschen.

  2. Janine sagte am :

    Ich sehe die Problematik in unserem -abgesehen davon sehr teuren- Gesundheitssystem ebenfalls, aber kein Arzt verdient 1500€ „mit dem Aufwand eines feuchten Händedrucks und der Unterschrift auf einem Rezept“. Gerade ein zeitaufwendiger Ultraschall der viel Kompetenz und Erfahrung voraussetzt, lässt sich im ambulanten Bereich für niedergelassene Internisten/Allgemeinmediziner quasi nicht abrechnen… und ich bin keiner dieser 1,0er Studenten ;-) aber leider gehört der Arztberuf definitiv nicht mehr zu den Jobs in denen man ohne Aufwand viel Geld scheffelt. Gerade in Praxen sind die Privatpatienten häufig wichtig um schwarze Zahlen zu schreiben. Keine Hausarztpraxis überlebt ohne Privatpatienten. Das ist auch für die Ärzte -ganz besonders die Hausärzte- keine befriedigende Situation (der Ärztemangel in diesem Bereich ist übrigens eine direkte Folge der schlechten Bedingungen in diesem Beruf, auf dem Land führt er ja bereits zur medizinischen Unterversorgung). Das soll selbstverständlich kein Angriff sein; ich gebe dir natürlich trotzdem Recht, dass die aktuellen Zustände für Kassenpatienten Patienten teils unzumutbar sind, aber der Fehler liegt hier nicht bei den Ärzten, sondern im System der Gesundheitspolitik.

    Liebe Grüße,
    Janine

    • Liebe Janine, genau das meine ich auch. Deswegen sage ich ja auch, dass ich nicht denke, dass sie mir vom Wissen her nicht helfen könnten. Das System ist einfach schlecht. Nichtsdestotrotz weiß ich, wie hoch meine damalige Rechnung vom MRT war ;-) Und der Arzt hatte in diesem Fall damit rein gar nichts zu tun. Natürlich müssen die Utensilien auch gekauft werden und seine Angestellten müssen auch bezahlt werden. Den Arzt habe ich dabei aber nie länger als 2min gesehen.
      Vielen lieben Dank für deine Rückmeldung und ganz liebe Grüße!

  3. Marie sagte am :

    Ich habe deinen Post gestern gelesen und heute habe wir selbst den Salat :o)
    Mein Freund hat schon seit Monaten eine gerötete, trockene, sich schuppende Stelle unter dem Auge, wir haben die ganze Zeit versucht das mit Cremen in den Griff zu kriegen aber seit gestern ist eine Schwellung dazu gekommen. Nun war er beim Hausarzt, dieser hat ihn an den Hautarzt weiter verwiesen. In der nächsten größeren Stadt gibt es einigeHautarzt- Praxen aber nirgends bekommt man einen Termin, man darf sich höchstens einfach reinsetzen und warten, aber selbst das wollen manche nicht, da soll er doch bitte Montag zur offenen Sprechstunde kommen. Ja er ist nun aber heute extra krank geschrieben, damit er das erledigen kann. In der einen Praxis gibt es 10 Ärzte und ich versuche seit 1,5h alle 5min dort anzurufen, lasse es ewig klingeln aber es nimmt einfach keiner ab. Das ist dort immer so, die Erfahrung durfte ich auch schon machen. Das kann doch nicht sein, dass man nichtmal jemanden ans Telefon kriegt! Sehr frustrierend.

    • Ja, ich verstehe so sehr was du meinst! Komischer Weise bekommt meine Mama immer Termine, sie hat mir in dieser Woche sogar 2 organisiert, nachdem ich mich wirklich dumm und dusselig telefoniert habe! Da scheint vielleicht noch das Alter mit reinzuspielen (Wie man klingt) und dass sich am Telefon vielleicht gedacht wird, dass es bei den jungen Leuten ja nicht so schlimm sein kann, oder eben ganz klar gesehen wird, dass man die ja abwimmeln kann – erfahrene und ärzteerprobte Menschen lassen sich vielleicht nicht so schnell abwimmeln. Ich drücke dir die Daumen, dass ihr noch einen Termin bekommt! Ganz viele Grüße!

      • Marie sagte am :

        Nachdem ich gestern 2h lang quasi ununterbrochen dort angerufen hatte, ist kurz vor 12 endlich mal wer ans Telefon gegangen und er durfte sich dann Nachmittags reinsetzen. Er hat 2h gewartet, soll in 2 Wochen nochmal wieder kommen. Da wollte er sich diesmal einen Termin geben lassen, weil er gemerkt hat, während er gewartet hat, dass man mit Termin dort super schnell dran kommt. Und da kam die Ärztin gerade zufällig nochmal draußen vrbei und meinte zu ihm: Aaaach, Sie müssen sich nicht extra einen Termin machen, kommen Sie einfach in 2 Wochen nochmal rein! …. Ähm hallo??! Was soll das denn?!
        Nachdem ich 2 Wochen Antibiotika genommen hatte, sollte ich eigentlich auch nochmal kommen, aber ich war bis heute nicht nochmal da :o) Mal sehen, vielleicht teste ich demnächst mal noch eine andere Praxis.

      • Oh man, das tut mir so Leid :-( Die gleichen Erfahrungen mache ich einfach auch soso oft und ich bin auch meistens nie nochmal zur Nachkontrolle gegangen, einfach, weil es für mich immer so eine Zeitverschwendung war. Einmal rein, Mund auf, auf wiedersehen und dafür hat man dann 2h gewartet und insgesamt nochmal einen Weg von 1h gehabt. Heute war ich aber tatsächlich bei einer ganz tollen Hautärztin bei der ich mich sehr wohl fühle und die sich wirklich Zeit genommen hat: es gibt sie also noch. Irgendwo. Leider viel zu selten. Euch alles Gute!

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