reingeschlüpft

Was so viel schöner als shoppen ist

Hallo ihr Lieben,

wieder ist einmal eine lange Zeit vergangen, die mir komischer Weise gar nicht so vorkam. Ich war nämlich tatsächlich über eine Woche von der Außenwelt abgeschottet, allein sozusagen. Übersetzt heißt das heutzutage, dass ich einfach eine Woche lang kein Internet hatte und meine üppigen 150MB meines Handys auch aufgebraucht waren. Dann kann man 2016 wirklich sagen, dass man isoliert lebt. Dazu kam, dass mich in der Nacht von Sonntag auf Montag ein fieser Magen-Darm-Virus heimsuchte und ich nun offiziell verkünden darf, dass ich jetzt erwachsen bin. Ich habe ganz alleine (ohne die Pflege eines anderen) einen Magen-Darm-Virus bekämpft und überlebt (eine kleine Anmerkung: es gibt für mich nichts Schlimmeres, da ich Emetophobikerin bin, heißt, dass ich panische Angst davor habe zu erbrechen, oder dass andere dies tun könnten).

Grund für diesen Post ist, dass ich mich vor einiger Zeit (jetzt muss ich selbst mal nachschauen – okay, vor genau 2 Monaten habe ich den Post dazu verfasst) dazu entschlossen habe erstmal keine Kleidung mehr zu kaufen. Ich habe damals noch behauptet, es würde noch ein organisierterer Post dazu kommen, wie genau ich das jetzt mache und pipapo, weil ich auch so wahnwitzige Ideen erwähnte, wie jeden Tag nur das anzuziehen was als nächstes auf der Strange hängt. Und genau weil mich das Thema noch immer beschäftigt und das sogar etwas „tiefer“, als es auf den ersten Blick zu sein scheint (und vielleicht auch in eine etwas andere Richtung, als ihr jetzt denkt), nutze ich den Sonntagabend dazu, um einfach mal ein wenig darüber zu schreiben.

 

Die ersten Tage

War das um ehrlich zu sein gar nicht so leicht. Ich erwähnte schon im anderen Beitrag, dass mir selbst sehr wohl bewusst war, dass shoppen irgendwie mein Hobby war. Es ging mir selbst gar nicht nur um den Kaufprozess an der Kasse und das Haben an sich. Es ging mir um mehr. Die Atmosphäre in der Stadt, die Menschen, das Gewusel. Für viele ein Grauen und viel zu viel, aber ich fühle mich da sehr wohl. Ich mag es auch einfach durch die Geschäfte zu gehen und mir im Kopf zusammenzustellen, was man aus Teil x und Teil y denn alles basteln könnte, aber natürlich hat es am Ende dann am meisten Spaß gemacht, das dann auch selbst in die Tat umsetzen zu können. Ich gehörte nie zu den Frauen, die jeden Monat Unmengen an Geld in Kleidung investiert haben (außer mal ein einer kurzen Episode, in der ich neben dem Studium 20h/Woche bei H&M gearbeitet habe, ja, da hatte ich mehr Geld zur Verfügung und damit auch das ein oder andere Teil „nur so“ gekauft), aber trotzdem waren es jeden Monat bestimmt um die 70-80€. Ob es nur ein Teil war, wenn die Wahl auf Schuhe fiel, oder mehrere, wenn es günstige Basics von TkMaxx oder H&M waren – die Summe war immer recht ähnlich. Gar nicht so viel, könnte man meinen, doch bei einem monatlichen Budget von 250€, von dem man ALLES bezahlen muss, was man zum Leben braucht (exkl. Miete) und noch eine Fernbeziehung über 500km führt, ist das dann doch ein enormer Anteil. Ihr könnt euch denken, dass ich demnach an anderen Ecken sparen musste und das ist auch der Punkt, an dem ich heute ansetzen möchte.

Ersatz

Der Kleiderschrank wuchs, mindestens 1x im Jahr bin ich auf dem Flohmarkt und verkaufe. Unregelmäßig habe ich Anflüge von großem Tatendrang, bei denen ich meinen halben Kleiderschrankinhalt bei Kleiderkreisel einstelle und vieles verkaufe. Ich habe mich die letzten Jahre immer etwas selbst belogen indem ich mir selbst und anderen sagte, ich habe gar nicht so viel Kleidung. Stimmt auch, wenn es um die Kleidung geht, die ich tatsächlich trage. Denn in meinem Kleiderschrank sind nur die Sachen, die ich mag und das sind nicht viele, dagegen sind die Kleiderschränke der meisten Frauen wesentlich voller gefüllt.

Zähle ich aber mal die Sachen dazu, die ich nicht mehr trage, die in vielen Kisten und Koffern den Keller meiner Mama sprengen, habe ich viel. Gut, da liegen auch noch Hosen und Shirts von vor 10 Jahren, in die ich dann doch nicht mehr reinpasse und man hat auch einen natürlichen Durchlauf an Kleidung über die Jahre hinweg, vor allem, wenn die 10-Jahres-Spanne das Alter 15-25 umfasst, in der sich der eigene Stil gerade mal erst anfängt zu entwickeln.

Bis ich ca. 18 war, musste man mich noch zwingen Kleidung zu kaufen, da ich selbst dafür viel zu faul war. Aber mit ca. 18 entdeckte ich dann den Spaß daran und auch hier wird mir bewusst: ein Großteil meiner Einkäufe waren Ersatzhandlungen. Damit möchte ich nicht sagen, dass es mir keinen Spaß macht, es auch einfach mal eine Laune sein kann, oder dass ich nun allgemein sagen möchte, dass die, die kaufen ein Problem haben. Aber ich denke schon, dass das Hobby „Mode“ sehr schnell einen negativen (und ungesunden) Beigeschmack entwickeln kann und egal, ob man jetzt dazu gehört oder nicht, sollte sich an dieser Stelle jeder mal die Frage stellen, ob das vielleicht auch auf ihn zutrifft. Wenn nein, dann ist alles gut. Ich mache niemandem einen Vorwurf und möchte niemandem den Spaß an der Mode nehmen.

Aber ich möchte denjenigen, die vielleicht merken, dass sie etwas stört und sie doch gerne etwas ändern wollen (aber vielleicht noch nicht ganz den letzten Ruck gefunden haben) einfach ein paar Gedankenanstöße mit auf den Weg geben.

Also nochmal zurück zum Thema Ersatzhandlungen. Mein Interesse für Mode kam ca. auf, als ich mit 19 von Zuhause ausgezogen bin. Allein in eine neue Stadt, zum ersten Mal beginnen, seine eigene Identität aufzubauen, fernab von dem gewohnten Umfeld und all dem, was man bisher kannte. Eine neue Stadt und neue Menschen, für die du ein unbeschriebenes Blatt Papier bist. War ich unsicher, was mich am nächsten Tag in der Uni erwarten würde, war es mir wichtig, dass ich mich in meiner Kleidung gut fühlte. Das ist normal, wird sich jetzt jeder denken und das dachte ich damals auch. Also ging ich manchmal los und suchte mir was Neues, um dieses Gefühl befriedigen zu können. Schön, neue Sachen angezogen und ich fühlte mich gut.

Wenn ich das jetzt reflektiert betrachte (und das tue ich so weit zurück gerade zum ersten Mal beim Schreiben der Zeilen), wird mir bewusst, dass sich in all den Jahren nichts geändert hat. Es ging nicht darum, dass ich mich in der Kleidung gut fühlen wollte. Ich wollte mich eigentlich in mir selbst gut fühlen. Und da dieses Bedürfnis so viel schwieriger zu stillen ist, einem so viel mehr Reflexion, Übung und gar Akzeptanz abverlangt, scheint es einem einfacher, schnell nochmal eine schöne Hülle zu kaufen, die die eigene Unsicherheit vorerst überdecken mag. Bis zum nächsten Moment des Zweifelns.

Ich kaufte zum Teil merkwürdige, auch mal ausgefallenere Sachen, die man heute so gar nicht mehr an mir sieht. Das zählt mit Sicherheit auch zum Entwicklungsprozess und ist ganz normal, aber trotzdem passt es ganz gut in meinen roten Faden.

Zum Glück gab es bei mir dann die Entwicklung hin zum minimalistischeren, basic-lastigen Stil, denn der lebt schließlich von dem Motto, dass weniger mehr ist – was nicht heißt, dass man deswegen weniger kaufen muss. Mir wurde aber plötzlich bewusst, dass es Tage gab, an denen ich mich in einer einfachen Jeans, einem weißen Shirt und weißen Chucks so wohl fühlen konnte, wie ich es in meinen „schönsten und abgefahrensten“ Teilen nicht tun würde.

Ich beobachtete diese innere Bewegung und machte Phasen durch, in denen ich meinte unbedingt viele Sachen noch kaufen zu müssen, um dann vor einem Kleiderschrank zu stehen, der plötzlich viel zu voll geworden war, und um ihn anschließend wieder auszumisten. So gaukelte ich mir schön vor, dass man nicht viel braucht und das stimmte ja auch, meine Outfits brauchten nicht viel, aber ich hörte auch nicht auf, jeden Monat trotzdem nach neuen Teilen zu suchen.

Fühlte ich mich schlecht, weil ich wieder viele Pickel auf dem Rücken hatte, ging ich los und kaufte ein Top mit Highneck. Lief eine Prüfung nicht so wie gedacht, ging ich danach in die Stadt und schaute, was mir gefiel. Und kaufte es. Fühlte ich mich alleine, weil ich meinen Freund erst wieder in 3 Wochen sehen würde, zog es mich in die Onlineshops.

Aber dafür hatte ich eben auch kein Geld, um mal meine Freunde in anderen Städten zu besuchen, oder sagte Freunden ab, wenn sie bowlen gehen wollten, weil das ja auch impliziert, dass man mindestens 10€ ausgeben würde, plus noch 5-10 weitere Euros für Getränke. Manchmal ging ich nicht mit feiern, weil mir der Eintritt zu teuer war. Nur, um am nächsten Tag zu Zara zu gehen und mir ein Top für 19,99€ zu kaufen (das liest sich jetzt schon sehr extrem, natürlich habe ich mich nicht dem sozialen Leben versagt, aber in der Summe habe ich aufgepasst, dass es eben nicht „zu viel“ wurde).

Und dann fiel langsam der Groschen: machte mich dieses Oberteil so glücklich, wie die (verpassten) schönen, lustigen und bereichernden Stunden mit meinen Freunden?

Und wenn ich die Ausbeute der letzten 3 Monate betrachtete, die das Budget meines Urlaubstaschengeldes für eine Woche darstellten (ca. 200€): war es mir das wert? Im letzten Jahr waren mein Freund ich für dieses Geld 5h Katamaran, 4h Quad und 1 1/2h Jetski fahren. Erinnerungen, die mich noch das ganze Leben begleiten werden und die diese Woche unvergesslich gemacht haben.

Wer nicht am Geld knapsen muss, hat das finanzielle Problem eher weniger, wenn er sich trotzdem fragen darf, ob er sich nicht doch ein wenig in den Zeilen wiederfindet.

Ich für mich habe einfach gemerkt, dass mich das Kleid, das es gerade bei Zara gibt, auch nicht schöner, besser, toller oder begehrenswerter macht. Ich sehe aus, wie ich aussehe. Kleidung kann mir dazu verhelfen, dass ich mich noch etwas besser fühle und das ist auch wunderbar so. Ich liebe meinen Kleiderschrank, das was ich habe und bereue auch nicht, dass ich sie habe. Aber wenn man erstmal einen gewissen Grundstock hat, und den habe ich ohne Zweifel, dann machen mich neue Sachen auch nicht besser.

Wen interessiert, ob ich nun das Top von vor 3 Jahren trage, oder ob es ein neues ist, sofern ihr euch auch in dem alten wohlfühlt? Macht mal den Selbsttest und denkt über eure Freunde nach, deren Stil ihr wirklich mögt. Macht es für euch einen Unterschied, ob sie in ihrer bisherigen Garderobe toll aussehen, oder ob sie euch gerade wieder das 5. neue Teil des Monats zeigen?

Wo sind die „Markenzeichen“ von früher hin? Die rote Lederjacke, die immer nur Luisa getragen hat, an der man sie schon aus 100m Entfernung erkannt hat. Was ist mit den ausgelatschten braunen Boots von Robert, die man schon immer an der Türschwelle zuordnen konnte, obwohl er gar nicht mehr in den Schuhen steckte? Ich vermisse das und weiß, dass ich gerade versuche, das auch bei mir wieder zu beleben – wenn ich dafür schon wieder fast zu viel habe.

 

Veränderung

Wie kommt man aus diesem Teufelskreis wieder heraus? Um ehrlich zu sein weiß ich das nicht so genau und es gibt kein Allgemeinrezept. Ich weiß aber, dass ich damit begonnen habe, mich einfach mit anderen Dingen zu beschäftigen.

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Mittlerweile habe ich auch farblich passende Söckchen zu den weißen Chucks. Ich empfehle euch die von Fascino (gibt es bei DM) für weniger als 2€ in nude oder schwarz. Sitzen super, rutschen nicht und sind sehr bequem.

Das Bummeln hat auch viel Zeit in Anspruch genommen und manchmal wollte ich lieber abends um 19 Uhr vorm Rechner durch die Onlineshops stöbern, als nochmal spazieren zu gehen. Um ehrlich zu sein fällt mir jetzt im Nachhinein auf, und das klingt ein wenig theatralisch, aber es ist tatsächlich so, dass ich viele Momente gar nicht so genossen habe. Vermutlich verstärkt die Isolation (kein Internet, ihr erinnert euch) diesen Effekt nur noch mehr, denn sowohl das Internet, als auch das Shoppen (oft gekoppelt an das Internet) sind absolute Zeitfresser. Das Gehirn wird vor dem Rechner abgestellt und Stunde um Stunde wird verschwendet, bis man sich nach 3h im Tunnel fragt, was man die letzte Zeit überhaupt getan hat. Man nimmt gar nicht mehr so richtig wahr, unabhängig davon, ob man dann überhaupt etwas bestellt hat. Und wenn nicht, hat man die Zeit sogar noch sinnloser verbracht.

Ich gehe jetzt viel öfter raus. Einfach mal raus in den Wald. Ins Grüne, an einen See. Abends, einfach mal den Sonnenuntergang gucken, Eis mitnehmen und reden. 

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Lederjacke – Flohmarkt
Hose – Zara
Schuhe – Converse
Schal – Zara
Rucksack* – Soerensen
(*ich habe das Produkt zugeschickt bekommen, ich habe nicht dafür bezahlt)

Weniger darüber nachdenken, ob man sich nochmal aus dem Bett pellen will, öfter tun. Mal den Freund zwingen Fotos von einem zu machen, auch wenn er erst ein wenig rumnölt und dann doch noch etwas Spaß dabei entwickelt :-D. Oder ich gehe in die Bücherei und leihe mir Bücher aus, das Lied von Eis und Feuer habe ich gerade begonnen, obwohl ich bei der Serie auf dem aktuellsten Stand bin (kann ich trotzdem jedem nur empfehlen!).

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Meine erste „Bowl“: grüner Spargel mit frittierten Süßkartoffeln, mit Tomaten, Avocado und einem pochierten Ei. Das ganze auf grünem Blattspinat mit einem Honig-Wasabi-Senf-Dressing.

Ich habe begonnen mich mehr mit dem Thema Ernährung zu beschäftigen, nein, gelogen, eher mit dem Kochen. Früher war das für mich Zeitverschwendung, jetzt ist es für mich durchaus interessant, manchmal sogar etwas spaßig. Ich habe jetzt ja auch etwas mehr Geld zur Verfügung und kaufe mir dann eben die Süßkartoffel und die Avocado, auch wenn ich früher bei dem Stück/Kilopreis nur daran vorbeigelaufen wäre.

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Das habe ich zwar schon immer gemacht, aber jetzt mache ich es noch lieber: einfach irgendwo sitzen und Kaffee trinken. Kuchen essen, sich unterhalten, sich nicht schlecht fühlen, weil man gerade 10€ für „Unnützes“ ausgibt (weil man es Zuhause viel günstiger haben könnte). Das ursprünglich Unnütze nicht mehr als unnützlich empfinden, weil man nicht mehr in Oberteilen und Hosen denkt („das war gerade der Preis eines 1/4 Oberteils“).

Und wovon es kein Bild gibt: Sport machen. Für sich, für das eigene Körpergefühl. Dafür, dass man sich selbst gut in seiner Haut fühlt. Nicht, dass man direkt mit strikten Zielen ran geht und sich einen neuen Druck aufbaut, aber einfach, dass man sich stärker fühlt, angespannter, aber im positiven Sinne. Man geht aufrechter, man fühlt sich nicht mehr so weich, man fühlt sich danach einfach besser. Und das ziehe ich – wenn ich nicht gerade krank bin – tatsächlich 3-4x die Woche durch. Dabei setze ich mir keine Ziele, ich will ja auch nicht abnehmen. Aber ich möchte gerne sportlich sein und merke, dass mir meine Kleidung viel besser an mir gefällt, wenn ich mir gefalle, auch wenn die Veränderung objektiv nicht zu erkennen ist (obwohl ich immer alle stolz meinen Trizeps, in der Größe einer etwas dickeren Ader, streicheln lasse, damit sie mir auch ja sagen, dass er schon viiieeel größer geworden ist). Es reicht schon, wenn ihr euch anders fühlt.

Und dann braucht es nicht die Bluse mit den Schleifen aus dem Schaufenster. Dann braucht es nur eure Lieblingsjeans, ein schönes Shirt, bequeme Schuhe und vielleicht eure Lederjacke und ihr fühlt euch angezogen.

Und deswegen geht es mir gerade wirklich gut. Natürlich sind damit meine „Probleme“ nicht weg, natürlich gibt es Tage an denen ich mich gerne schön anziehen möchte, weil ich mich selbst nicht so gut fühle. Aber da habe ich jetzt nicht mehr den Drang, dass etwas Neues her muss, sondern suche einfach in meinem eigenen Schrank. Schließlich waren all das Dinge, die ich einmal gekauft habe, um mich besser zu fühlen.

Ich bin auch insgesamt viel entspannter geworden. Wie oft kam mir abends noch die Idee mich durch 6 Onlineshops zu klicken, um ja kein schönes Teil zu verpassen. Oder, dass man am nächsten Morgen UNBEDINGT zum Salebeginn in die Läden muss, damit ja noch nichts weggekauft wurde und man vor der vollen Auswahl steht. Manchmal saß ich abends um 23.58 Uhr vor dem Computer, da um 0.00 Uhr der Zarasale begann und das, obwohl ich nur sechs Stunden später wieder aufstehen musste. Völlig wahnsinnig.

Das alles heißt auch nicht, dass ich nun gar nichts mehr kaufen darf und ihr das auch nicht tun solltet. Nein. Was gebraucht wird, wird gekauft, wobei man sich ja schnell an dem Wort „brauchen“ aufhängt. Braucht man diese Bluse, wenn sie so gut zu der roten Hose passen würde? Oder braucht man, wenn das letzte Paar Sandalen kaputt gegangen ist und man nun keines mehr hat? Ich denke, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe für mich entschieden, dass wenn mir nicht mindestens einen Monat etwas essentiell fehlt (jetzt wären es z.B. Gummistiefel, haha), dass ich es dann auch nicht brauche. Aber es werden Momente kommen, in denen ich auch wieder etwas kaufen werde oder gar muss. Und dann wird es eben so sein. Aber nicht ohne Sinn und Verstand und nicht mit dem kläglichen Versuch mich selbst aufzuwerten. Sondern, weil ich es brauche.

In diesem Sinne:  habt noch einen schönen Sonntagabend!
eure reingeschlüpft

 

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Dieser Beitrag wurde am Juni 19, 2016 um 17:26 veröffentlicht. Er wurde unter Articles, Fashion, Lifestyle, weniger ist mehr abgelegt und ist mit , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

14 Gedanken zu „Was so viel schöner als shoppen ist

  1. Svenja sagte am :

    Ich kommentiere ja sonst so ziemlich nie auf Blogs, aber jetzt würde ich es schade finden, wenn auf diesen super Artikel wenig Resonanz kommt. Ich finde dich super reflektiert, das schaffen manche auch im höheren Alter nicht. Ich finde sowas schon wichtig. An mir selbst merke ich, dass ich weniger kaufe und auch weniger Interesse habe Onlineshops zu durchforsten, wenn ich a) sehr viel zu tun habe (Hausarbeiten, Referate oder momentan die Masterarbeit) oder b) glücklich bin. Als ich frisch mit meinem Freund zusammen war, hatte ich gar nicht das Bedürfnis etwas zu kaufen. Jetzt bin ich zwar immer noch glücklich mit ihm, aber nach Jahren ist das ja doch was anderes. Gewohnheiten etc. pendeln sich wieder ein (Man geht wieder vermehrt seinen Hobbys nach, was man in der Frisch-verliebt Phase ja meist etwas schleifen lässt).
    Mittlerweile habe ich nicht mehr so das Bedürfnis etwas zu kaufen, bzw. habe ganz genau im Kopf, was ich möchte. Kann ich das nicht genau so finden, kaufe ich nichts. Aus dem Grund, dass ich bei Kleidung keine Kompromisse eingehen möchte, man trägt die Sachen dann ja oft doch nicht so. Vielleicht liegts auch am Alter, früher hatte ich mehr das Bedürfnis Dinge zu kaufen. Na gut, so alt bin ich nun auch nicht, bloß ein Jahr älter als du, aber egal.
    Na gut, genug gefaselt. Ich mag deinen Blog sehr.

    Liebe Grüße
    Svenja

    • Liebe Svenja, vielen Dank für deine unglaublich tolle Antwort, das freut mich wirklich sehr. Sehr! Bei mir hat das auch „angefangen“ mit „nur noch hochwertig kaufen“ und nur noch, wenn mir etwas RICHTIG gefällt. Das mache ich genau so auch schon seit ca. 4 Jahren und es waren wirklich erstaunlich wenig Fehlkäufe dabei. Die meisten Sachen bilden die Grundlage meiner derzeitigen Garderobe und sind natürlich auch der Grund, wieso ich jetzt mit diesem Grundstock so hervorragend zurecht komme. Nichtsdestotrotz findet man immer, wenn man sucht, Sachen, die einem perfekt gefallen. Das sind dann vielleicht nicht mehr 20 wie früher, sondern nur noch 5, aber da diese dann meist auch noch teurer sind, bleiben die Ausgaben gleich. Man – oder ich zumindest – kann sich dann weiter schön vorgaukeln, dass das Teil ja WIRKLICH perfekt ist und man es deswegen haben muss. Ja. Aber auch das hat mich mittlerweile gestört. Man trickst sich immer weiter selbst aus und erweitert und tut und klar, man hat nur noch Sachen die man toll findet, aber am Ende trotzdem zu viel. Deswegen tut mir das jetzt gerade wirklich sehr gut :-)

      Ganz viele Grüße an dich!

  2. Als ich damals mit dem Studium begonnen habe, da habe ich auch erst einmal geshoppt till I dropped. Ich komme aus einer extrem kleinen Stadt, wo es nichts gibt und in Berlin herrschen nunmal paradiesische Zustände, das musste ausgenutzt werden. Vor allem der Sale ließ gerne mal den einen oder anderen Fehlkauf tätigen. Hinzu kam noch, dass man in seinem Stil noch nicht so wirklich gefestigt war und dann ständig bei der wechselnden Mode mitging und ausprobierte. Tja, was man, also eher ich, am Ende hatte, war ein viel zu voller Kleiderschrank, viele Schrankleichen und das Gefühl nichts anzuziehen zu haben. Schrecklich! Denn da ist so viel zum Anziehen. Seit einem Jahr shoppe ich so gut wie gar nicht mehr. Nur ganz selten und dann auf Bedacht bzw. wirklichen Bedarf zieht mal wieder ein neues Teil ein. Online-Shopping gibt es gar nicht mehr bei mir – eine wirkliche Zeitverschwendung. Was ich nun habe, ist zwar immer noch ein gut gefüllter Kleiderschrank, aber einer mit Lieblingsteilen, die zueinander und zu mir passen. Vieles sind schon ältere Stücke, die ich immer wieder gerne auftrage oder Lieblingsstücke, die ich im Kleiderschrank der Eltern gefunden habe und behalten durfte. Mir fehlt das Shoppen überhaupt nicht. Nicht eine Sekunde. Ich hab doch schließlich alles. Letztens war ich nur mal kurz in einer Shopping Mall, weil ich mal schnell was essen wollte und mir ist erst einmal aufgefallen, wie laut es dort doch ist und ich wollte nur noch flüchten. Schon komisch, weil ich das früher nie gemerkt habe. Auch damals, wo ich noch mehr kaufte, war ich schon der Überzeugung, dass Shoppen bzw. neue Kleidung nicht glücklich machen. Vielleicht kurzfristig für einen Tag, an dem Teil XY gekauft wurde, aber nie langfristig und erfüllend. Das Geld, was jetzt übrig bleibt investiere ich lieber in Konzerttickets, Bio-Essen, den Garten oder Urlaub/Ausflüge, weil die machen doch viel, viel glücklicher. Manchmal frage ich mich selbst, wann dieser Wandel in meinem Lebensstil angefangen hat – aber ich fühle mich einfach so unglaublich glücklicher und befreiter, seitdem ich immer mehr darauf achte WIE und WAS ich WARUM konsumiere.
    Ich mag diese Beiträge von dir sehr und freue mich, auch in Zukunft mehr darüber lesen zu können.
    Liebe Grüße, Chrissie.

    • Hallo liebe Chrissi, auch für dich ein großes DANKESCHÖN für deinen tollen Kommentar! Ich kann absolut nachvollziehen was du da schreibst und mir geht es genau so. Der Kleiderschrank ist zwar ganz gut gefüllt, aber irgendwie auch komplett. So fühlt es sich zumindest an (zumindest fast). Dir einen wundervollen Wochenstart und – weiter so! Alles Liebe

  3. Ich finde deinen Blog echt klasse und das hier ist ein wirklich toller Beitrag. Es gibt sooo viel schönere Dinge als shoppen. Auch wenn es uns Werbung ständig einreden will: Glück, Erfolg oder Ausstrahlung können wir einfach nicht kaufen. Das zu schätzen was man hat ist meiner Meinung nach die wahre Lebenskunst und damit kommt eine Zufriedenheit die dir kein neues Kleidungsstück schenken kann.

    Ich selbst kaufe auch schon länger sehr bewusst. Früher habe ich immer Klamotten ohne Ende bestellt bis ich schließlich an einen Punkt kam an dem ich sehr unzufrieden war. Inzwischen kaufe ich nur noch Dinge die ich tatsächlich brauche. Davor hab ich meinen Kleiderschrank entrümpelt und nur das behalten was ich wirklich gern getragen habe.

    Wenn dich Minimalismus interessiert kannst du ja auch mal auf meinem Blog vorbeischauen. Vielleicht gibt es da ja auch die ein oder andere Anregung für dich.

    Wie auch immer… TOLL & weiter so :)
    Liebe Grüße von erleichtert.net

    • Hallo liebe Erleichtert, vielen Dank für deine Antwort! (habe direkt mal auf deinen Blog geschmult und finde dein Konzept grandios!). Du hast wunderbare Worte für das gefunden, was ich hier auch erreichen wollte und wünsche dir einen tollen Tag. Ganz viele Grüße!

  4. Ach, ja…
    Liebe reingeschlüpft, das ist ein unglaublich langer aber wunderschöner Post, den ich von vorne bis hinten gelesen habe (und das obwohl ich bei so langen Posts gerne mal überfliege). Ich habe dieses Problem zum Glück nicht, aber hier und da kaufe ich seit einem Jahr auch mal, weil ich mein Selbstbewusstsein mit schönen Outfits aufwerten will. Verstehe dich also total! Minimalismus ist also ein ziemlich guter Trend, denn was das Konsumverhalten angeht, so denke ich, dass sehr viele Mädchen dieselbe Tendenz aufzeigen.

    Finde es unfassbar mutig von dir, das alles so detailliert aufzuzählen und dich so verletzlich zu machen – schließlich ist das aber auch der Sinn eines Blogs. Dir hilft es womöglich auch – Selbstreflexion und so ;-)

    Werde deinen Blog in Zukunft sicher ab jetzt noch stärker verfolgen.
    Wünsche dir eine schöne Woche! xx Ana von http://www.disasterdiary.de

    • Danke liebe Ana, die wünsche ich dir auch! Und zu deinem lieben Kommentar fällt mir nur eins ein (achtung, wird #deep)
      „Never forget what you are, for surely the world will not. Make it your strength. Then it can never be your weakness. Armor yourself in it, and it will never be used to hurt you“ – Tyrion Lannister. (ich habe gerade die Buchreihe begonnen, deswegen ist mir das Zitat direkt in den Sinn gekommen). Ganz liebe Grüße!

      • Der Tyrion. :-) ich habe ja nur Teil 1 gelesen und die Serie aber bis zur neuesten Folge geschaut – wie du auch schreibst, die Bücher sind der Wahnsinn und man sollte sie auch wenn man die Serie gesehen hat, weitergucken.
        Und auf deine äußerst poetische Antwort, fällt mir nur eins ein: Ich liebe Leute, die mit Zitaten antworten. Hut ab! ;-)

        xx Ana

  5. Oh was für wahre Worte! Du inspirierst mich einfach immer wieder. Das tut so gut deinen Bericht zu lesen. Mir geht es genauso- Shoppen, damit man sich hübscher fühlt, vllt. attraktiver. Shoppen, um etwas Glück zu kaufen. Für einen Moment. Es ist einfach schwierig, dem Drang und den vielen Bildern in Kopf und sämtlichen Social-Media-Kanälen zu widerstehen. ÜBERALL sieht man Dinge, die man haben möchte. Deine Tipps sind gut. Beschäftigen, sich mit Leuten treffen. Andere Themen. Vielleicht hast du in Zukunft noch weitere Tipps für uns :)
    Alles Liebe

  6. Rahel sagte am :

    Dies ist einer der besten Beiträge deines Blogs. Er hat mich auch nochmal zum Nachdenken angeregt. Auch die Kommentare hier finde ich sehr lesenswert. Bei mir ist es wohl auch eine Sache des Alters, die mich dazu bewegt hat weniger zu kaufen. Das hat wirklich auch mit der Stilfindung zu tun und der Erkenntnis, dass es in erster Linie darum geht sich wohlzufühlen und nicht darum andere zu beeindrucken. Ich bin noch ziemlich am Anfang was diese Umstellung angeht, aber ich weiß wo die Reise hingehen soll. Zumindest kann ich nun schon mit Stolz sagen, dass ich nicht mehr zu den Frauen gehöre, die die Läden stürmen und kaufen, nur weil es bspw günstig ist. Das gibt mir immer wieder ein gutes Gefühl, wenn ich einen Laden betrete und das Geschehen um mich herum beobachte. Ich würde mich auch freuen, wenn du deine Leser weiterhin auf dem Laufenden hälst, was dieses Thema betrifft. Liebe Grüße!

  7. Marie sagte am :

    Ich kann genau nachvollziehen was du da schreibst, allerdings rechne ich weniger in Hosen und Oberteilen, sondern in Lippenstiften und Rouge :o) Und ich finde das auch immer total schlimm wenn ich darüber nachdenke, man fühlt sich dann so wahnsinnig materialistisch! In letzter Zeit bin ich auch davon weg gekommen, ich habe sehr viele Newsletter von diversen Beauty Onlineshops abbestellt, um gar nicht so in Versuchung zu kommen. Das hat auf jeden fall sehr geholfen! Aber ich bilde mir nicht ein, dass das so bleibt. Bei mir läuft das immer so phasenweise ab. Aktuell bin ich auch eher auf dem Ernährungstrip, aber mal sehen wie lange noch :o)

  8. Maylin sagte am :

    Das ist ein ganz wunderbarer Bericht von dir!! Ich habe auch immer aus Langeweile, als Ablenkung im Examensstress oder dem Gefühl des „Unwohlseins“ geshoppt. Mir ist es auch oft passiert, dass ich eher 20€ bei Zara ausgegeben habe, statt abends mit Freunden was trinken zu gehen. Total dumm! Daher kann ich deine Erzählungen eins zu eins nachvollziehen und mich darin wiedererkennen. Im Frühjahr habe ich mir aber genau diese Fragen, die du aufgeworfen hast, auch gestellt. Was ist wirklich wichtig? Was ziehst du wirklich gerne an? Und brauchst du jetzt ernsthaft das dreißigste Tshirt?
    Das Ergebnis war: NEIN!! Ich ziehe eh immer dieselben 10-20 Teile an, weil ich mich genau in den Sachen wohl fühle. Seitdem mag ich auch viel weniger shoppen, genieße mehr die „gewonnene“ Zeit (ebenso wie nach deiner Ansicht) und fühle mich sooo viel besser damit, nicht ständig dieser Konsumwut nachzugehen.
    Danke für deinen Artikel! Er spiegelt haargenau meine Lage wieder und hat mich in meinem Verhalten bestärkt.

  9. Pingback: Share The Love #2: Lesenswerte Post - The Disaster Diary

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