reingeschlüpft

Ausmisten wie ein Profi

Hallo ihr Lieben,

heute gibt es mal wieder einen längeren Beitrag zum Thema… na nicht Minimalismus, ich glaube, dafür habe auch ich noch zu viel, aber es geht sehr wohl darum, sich zu reduzieren und sich wieder einen angenehmen Überblick über den eigenen Besitz zu verschaffen.

Die meisten  von uns werden es kennen: einen ganzen Schrank voll mit nichts zum Anziehen. Doch warum ist das so? Warum steigt mit zunehmenden Kauf von Kleidung nicht auch zwangsläufig die Zufriedenheit? Das würde man ja zunächst vermuten. Doch oft ist es genau anders herum. Der Kauf eines Kleidungsstücks bringt in den ersten Momenten natürlich befriedigende Gefühle mit sich, das hat sich unser Belohnungszentrum im Gehirn schon fein ausgedacht. Doch sind wir ehrlich, auch wenn wir uns dann sehr über das eine Teil freuen, vergeht nicht allzu viel Zeit und wir sind schon wieder auf der Suche. Vielleicht nicht direkt nach einer 2. neuen Jacke, aber jetzt braucht man ja noch eine neue Jeans und überhaupt, die Schuhsammlung ist auch nicht mehr das, was sie einmal war.

Und jetzt?

Ich bin ehrlich: ich habe mich früher immer damit rausgeredet, die alten, nicht mehr so schönen Sachen nach und nach mit tollen, hochwertigeren und gut ausgewählten Stücken zu ersetzen. Dabei sind aber die alten Sachen weiterhin drin geblieben, man verlor nach und nach den Überblick, das schlechte Gewissen stieg, weil der Schrank sich füllte anstatt ich zu leeren und vollständig fühlte man sich trotzdem nicht. Und ich erwähne es nochmal:
Man verliert den Überblick.

Wisst ihr genau, welches Kleidungsstück ihr wann das letzte Mal getragen habt? Kennt ihr überhaupt all eure Sachen, oder habt ihr die Existenz einiger Teile schon wieder vergessen? Selbst wenn zwischen den 200 Teilen 50 liegen, die ihr sehr mögt und immer wieder tragen möchtet, überwiegt einfach die Last der Schrankleichen und belastet unnötig. Sowohl das Gefühl, als auch euren Schrank.

Man kann sich alles schönreden wie man mag, ich kann euch nur eins empfehlen: Den Kalten Enzug. Liest sich unschön, ich weiß, aber ich sehe ihn als Non-Plus-Ultra-Basis für einen anschließenden Ausmistprozess.

Ansonsten kann ich euch nämlich genau sagen, wie es ablaufen wird: Ihr mistet irgendwann, wenn es auch gut passt, aus. Gut, das ist ein schöner Plan, darin unterstütze ich euch gerne. Aber: wie fragt ihr euch, ob ihr die Sachen noch braucht? Von einigen Teilen, werdet ihr euch besser trennen können, als von anderen, das ist klar. Aber es wird genügend Stücke geben, bei denen ihr euch unsicher seid und bei denen ihr denken werdet: „Ach, das wollte ich doch bald nochmal anziehen“, oder „Event X kommt in 6 Monaten, da werde ich es gebrauchen“. Erfahrungsgemäß wird man es nicht nochmal anziehen und sich zu Event X auch gerne etwas Neues kaufen.

 

Deswegen: ein kalter Enzug, ein kompletter Konsumstopp in Sachen Kleidung (oder auch gerne in anderen Bereichen, wie z.B. Beauty) verschafft euch Zeit, in der ihr gezwungen seid, auf genau das zurück zu greifen, das ihr schon habt. Und auf nichts anderes.

 

Den Zeitraum legt ihr natürlich für euch fest, ich kann euch aber empfehlen, diesen recht großzügig auszudehnen, da viele mit einem vollen Kleiderschrank gar nicht in den Genuss kommen können, mal wieder alles auszutesten und zu sehen. Ich habe mich letztendlich für 6 Monate entschieden, da mir dann doch ein paar Sachen aufgefallen sind, die ich relativ dringend brauchte.

Wenn ihr nun also nicht mal eben und zwischendurch etwas kaufen könnt, das ihr ja angeblich noch braucht, werdet ihr euch Alternativen in eurem Schrank suchen müssen. Und genau hier beginnt das Projekt:

Zu welchen Teilen werdet ihr greifen und fühlt ihr euch in ihnen wohl? Was werdet ihr in der ganzen Zeit nicht anrühren, was ist in Vergessenheit geraten? Hattet ihr Teile in der Hand, die ihr als Option erwogen, aber doch verworfen habt? Habt ihr gar Dinge gesehen, die ihr auf keinen Fall tragen wolltet? Oder habt ihr sogar alte Schätze neu entdeckt und wiederbelebt?

Und anschließend, nach diesen 6 Monaten, werdet ihr euch einen ruhigen Tag herauspicken und euren kompletten Kleiderschrank (inkl. Wäschehaufen, der noch irgendwo auf euch wartet) auf den Kopf stellen. Schaut euch jedes Kleidungsstück genau an und fragt euch:

Habe ich dieses Stück in den letzten 6 Monaten getragen?

Wenn nein: werdet ihr es (außer es handelt sich natürlich um saisonale Kleidung, die ihr auf Grund des Wetters nicht tragen konntet oder die, die für einen bestimmten Anlass bestimmt sind, wie z.B. Businesskleidung. Deswegen empfehle ich euch, das Ganze einmal für den Winter und einmal für den Sommer zu machen) auch nicht wieder tun. Weg damit.

  • Hier trenne ich ganz klar nach Sachen, die für sich noch sehr gut erhalten sind, mir aber nicht mehr gefallen und von denen ich aber denke, dass sie mir noch etwas Geld bringen können: Kleiderkreisel,
    (oder Ebay).

Hier ein kleiner Tipp für die, die sich fragen, wo zur Hölle sie plötzlich so viele Kartons für den Versand her bekommen sollen: Zara schmeißt ihre Kartons, die von Onlineshopkunden kommen und diese aber nicht mit nach Hause nehmen wollten, einfach weg. Ich durfte mich, nachdem ich ganz schüchtern und etwas peinlich berührt auf die Kartons neben der Kasse gezeigt habe, dankbar bedienen und so viel mitnehmen, wie ich wollte (und tragen konnte).

  • Die Sachen, die zwar noch gut erhalten sind, es sich aber nicht mehr lohnt ein Foto zu machen oder sich auch der Versand für die neue Besitzerin nicht lohnt, kommt auf den Flohmarkt. 1x im Jahr stelle ich mich mit meiner Mama früh morgens hin und verkaufe all das für 1 oder 2€ pro Stück. Weg ist weg und die Summe am Ende macht schon einiges her. Auch, wenn man dabei den Kopf ausschalten muss, damit man sich nicht fragt, wie viel man ursprünglich mal dafür bezahlt hat…
  • Und die Dinge, die nicht mehr in Takt und reparabel sind, packe ich in einen Sack. Wer mag, kann ihn für die Altkleidersammlung spenden (daraus werden dann z.B. Lappen o.Ä. hergestellt, sie werden also recyclet), oder aber auch zu H&M bringen und einen 10% Gutschein kassieren. Das möchte ich aber ganz euch überlassen.

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Meine 2. Ladung Päckchen auf dem Weg (na ja, noch nicht ganz) zu ihren neuen Besitzerinnen (wie ihr seht bin ich ein Einpackprofi…).

 

Wenn ja: Habt ihr euch darin wohlgefühlt? Mögt ihr das Material? Ist es noch heile, oder muss man es reparieren lassen? Freut ihr euch darauf, es zu tragen, oder ist es eher ein Notnagel? Stufen wir mal ab:

  • Ihr liebt es ohne Einschränkungen und würdet es gerne jeden Tag tragen. Natürlich behaltet ihr es.

Eigentlich mögt ihr es sehr, es sitzt allerdings nicht (mehr) optimal:

  • Ist es gar nicht mehr zu retten und das müsst ihr euch dann ehrlich eingestehen (verformt, verwaschen, unwiderruflich kaputt), solltet ihr das Teil entsorgen, wie oben beschrieben. Es fällt schwer, aber am Ende hortet man dann doch wieder zu viele Dinge, die zwar einen emotionalen Wert besitzen, man sich aber trotzdem jedes Mal denkt „Ach, wärst du doch nur heile“, ohne, dass man es wirklich gerne trägt.
  • Wenn ihr es ändern könnt, dann tut es. Jeans, die unten zu lang oder zu weit sind, könnt ihr euch beim Schneider umnähen lassen. Nähte können wieder zugenäht werden und auch Kleidungsstücke, die euch nicht mehr in ihrer Form gefallen, können geändert werden. Ich habe z.B. zwei Pullover, die mir mittlerweile nicht mehr in ihrer langen, bauchigen Form gefallen und die ich einfach auf Hüfthöhe kürzen lassen werde. Meinen schwarzen Trenchcoat von H&M mag ich sehr, allerdings ist mir der Wasserfallkragen etwas zu voluminös – den möchte ich einfach entfernen lassen, um eine gerade Linie zu bekommen.

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Die zwei Stücke werde ich zu normal langen Pullis ändern lassen. Das gestreifte Oberteil war ursprünglich mal ein Kleid, hat sich durch die Wäsche aber so verformt und ist etwas eingelaufen, dass es für ein Kleid zu kurz und für einen Pullover zu unförmig ist, als Sweatshirt aber sicher super funktioniert. Der weiße Pullover gefällt mir in seiner Länge nicht mehr. Dadurch, das er weiß ist und wir wissen, die dreckig unsere Umwelt ist, hat man spätestens nach ein paar Stunden Flecken am Po, was mich zusätzlich stört.

 

  • Stücke, die ihr tragen musstet (weil evtl. nichts anderes da war), euch aber nicht gefallen, könnt ihr wie im oberen Schritt auch entsorgen. Endlich habt ihr gemerkt, wo eure Schwachstellen sind. Teile, die immer da sind und wegen derer man denkt, dass man ja genug hätte, deswegen aber nie ersetzt werden und der Schrank aber letztendlich doch voll mit Zeug ist, das sich eben anfühlt wie „nichts zum Anziehen“. Das Kind bekommt einen Namen, seht ihr?
  • Kleidung, die ihr mögt, die aber nicht bequem ist, oder deren Stoff euch nicht gefällt, miste ich mittlerweile prinzipiell aus. Auch, wenn ich finde, dass es mir steht und hübsch aussieht, fühle ich mich den ganzen Tag einfach nicht wohl. Oft muss man daran zuppeln und ziehen, manchmal geht es auch so weit, dass man gar nicht mehr zu ihr greift, weil man schon weiß, was einen den Tag über erwarten würde. Bei mir sind das z.B. oft Röcke, die „hochklettern“ oder Jeans, die oben nicht richtig sitzen und an denen man ständig ziehen muss. Auch Tops, die nur spezielle Unterwäsche erlauben (oder gerade nicht erlauben), weil man sie sonst zu stark sehen würde, miste ich aus, wenn ich weiß, dass ich a) nicht damit leben könnte, oben ohne zu gehen oder b) ich den BH, den ich dazu tragen würde ohnehin nicht habe oder so unbequem finde, dass ich ihn auch nie tragen möchte.Bei dem Stoff ist es ähnlich: früher hatte ich viel aus Polyester. Ich wusste, dass ich im Laufe des Tages einen unangenehmen Geruch entwickeln würde, fand die Teile aber oft so schön, dass ich mich nicht trennen konnte. So hingen sie ihr langweiliges Leben im Schrank, ohne dass ich je einen Tag gefunden habe, an denen es mal gepasst hätte dass ich sie z.B. nur für wenige Stunden getragen hätte. Aber auch da hätte ich vermutlich andere Stücke vorgezogen.
    (Info: Schuhe, Taschen und Schmuck fallen für mich auch in die Kategorie Kleidung und werden nach dem gleichen Schema ausgemistet)

Ich hoffe, ich habe nichts vergessen, ihr dürft mich gerne ergänzen und vielleicht fallen mir ja später noch ein paar Punkte ein. Auf jeden Fall solltet ihr am Ende vor einem Schrank stehen, dessen Kleidung euch ohne Wenn und Aber gefällt. Jedes einzelne Teil. Einen kleinen Haufen könnt ihr noch haben, den ihr in den nächsten 4 Wochen zum Schneider bringen werdet. Sind auch die abgelaufen, könnt ihr diesen Stapel ebenfalls entsorgen, denn anscheinend waren euch diese Teile nicht so wichtig und die Umgestaltung nicht so dringend.

Auf Basis dieser Garderobe könnt ihr euch nun wieder nach vorne tasten. Oder dabei bleiben, wie ihr mögt. Denn vielleicht merkt ihr auch, was für ein schönes, befreiendes Gefühl dieser Schrank ist, der nur aus Stücken besteht, die ihr am liebsten immer tragen würdet. Ein Griff hinein und schon hält man etwas in der Hand, das man ohne zu überlegen anziehen möchte. Mir persönlich gefällt dieser frisch ausgemistete Zustand sehr gut und ich genieße ihn wirklich sehr.

 

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Mein aktueller Kleiderschrank, ohne meine Hosen. Die liegen in einer Kommode.

 

Nichtsdestotrotz haben sich vielleicht auch Lücken bei euch gebildet: Dinge, von denen ihr euch getrennt habt und euch nun in einer neuen Ausführung fehlen, oder aber Teile, die euch ganz und gar fehlten und euch nun klar werden.

Seht diesen Punkt aber bitte nicht als Einladung, euch nun hemmungslos in alle shopping-Richtungen ausleben zu dürfen und euch mit 23 neuen Teilen für eure Tapferkeit zu belohnen. Damit wäre niemandem geholfen, am wenigsten euch selbst.

Jetzt ist auf jeden Fall der Punkt erreicht, an dem ich Listen als sehr sinnvoll erachte: schreibt nieder, was euch fehlt.

Da muss auch jeder für sich selbst entscheiden, ab wann man noch „braucht“ und ab wann man schon „will“.

Hier verweise ich euch gerne auf zwei ältere Beiträge von mir, die sehr gut beschreiben, worauf man beim Kauf und Zusammenstellen seiner Garderobe achten soll und die euch helfen sollen, Fehlkäufe zu vermeiden.

Big 9

„Das brauchst du nicht“

 

Ich hoffe, dieser Beitrag hat euch motiviert, euch dem Mysterium Schrank mal wieder anzunehmen und euch auch ein paar Werkzeuge mit an die Hand gegeben, wie ihr das ganze umsetzen könnt. Schreibt mir gerne, wenn ihr noch weitere Fragen oder Anregungen habt und ansonsten wünsche ich euch viel Erfolg und frohes Schaffen!

Eure reingeschlüpft

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Dieser Beitrag wurde am Oktober 19, 2016 um 14:37 veröffentlicht. Er wurde unter Fashion, weniger ist mehr abgelegt und ist mit , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

7 Gedanken zu „Ausmisten wie ein Profi

  1. Gute Anleitung. Super Tipp mit den Zara Boxen, hab ich noch nie gehört :)

  2. matchamilady sagte am :

    I’m one of the rare people that wears everything in my wardrobe all the time. And I have a big wardrobe, full of colours and prints etc. I’m so much the opposite in aesthetic to a minimalist but in concept, I am with you on this; always altering items and regularly clearing out which is how I know what I have and how to wear each and every piece i own. I’ve just given away all of my polyester dresses but one. I wish I could have kept them but it was just too uncomfortable. The only one left is one that i just can’t part with because I have nothing else in the style like it and I love the pattern. But generally, I’m really good at clearing and altering

  3. Schon oft solche Ausmist-Beiträge gelesen. In keinem habe ich mich so wieder erkannt und „hast ja Recht“ gedacht wie bei deinem. Schön geschrieben! Ich bin motiviert ;)

    Jetzt aber noch ein Tipp, den mir mein Bruder (!) gegeben hat: Während der Shopping-Detox Phase die Kleidungsstücke links rum auf die Bügel hängen oder in den Schrank legen. Was du trägst, kommt nach dem Waschen wieder richtig rum auf den Bügel. So sieht man, was man nicht trägt.
    Lieben Gruß

    • Ach das freut mich riesig, vielen Dank! Und der Tipp von deinem Bruder ist wirklich großartig! Funktioniert aber leider nur, wenn man wirklich den Großteil auf dem Bügel hat ;-) Für Liegeware ist das etwas komplizierter, aber da findet sich sicher auch ein Stapelsystem. Ganz viele Grüße!

  4. Ganz ganz toller Beitrag!
    Ich habe kürzlich erst sehr viel aus meinem Kleiderschrank ausgemistet und bin aktuell am Aussortieren meiner Schuhe und Taschen.
    Deine Tipps finde ich wirklich sehr hilfreich :)

    Liebe Grüße,
    Aly von thisisaly.com

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